Mindlock: The Apartment
Manchmal spiele ich eine Demo und weiß bereits nach wenigen Minuten: Das möchte ich weiterspielen. Genau so ging es mir mit Mindlock: The Apartment.
Bereits die Demo hatte mich mit ihrer herrlich skurrilen Art begeistert. Das Point-&-Click-Adventure wirkte irgendwie verrückt, ungewöhnlich und teilweise herrlich absurd – und trotzdem hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass hinter all dem noch wesentlich mehr steckt.
Also blieb es diesmal nicht bei einem Angespielt. Ich habe Mindlock: The Apartment komplett als Let’s Play gespielt. Und rückblickend bin ich darüber ziemlich froh. Denn je weiter ich gekommen bin, desto klarer war mir: Hinter der skurrilen Fassade steckt ein überraschend persönliches Spiel.

Spielverlauf – Ein ganz normaler Morgen. Oder vielleicht doch nicht.
Wir schlüpfen in die Rolle von Colin. Sein Tag beginnt eigentlich ziemlich unspektakulär:
- Aufstehen
- Duschen
- Zur Arbeit gehen
Zumindest wäre das vermutlich der Plan gewesen. Dummerweise wächst plötzlich eine geheimnisvolle Tür mitten in seiner Wohnung und versperrt ihm den Ausgang.
Ja.
Eine Tür.
Mitten in der Wohnung.
Und falls ihr euch jetzt fragt, warum: Herzlich willkommen bei Mindlock.
Denn mit dieser vollkommen absurden Situation beginnt ein Point-&-Click-Adventure, bei dem ziemlich schnell klar wird, dass wir uns nicht unbedingt auf die normalen Regeln der Realität verlassen sollten. Wir untersuchen unsere Umgebung, sammeln Gegenstände ein, kombinieren sie miteinander, sprechen mit unterschiedlichen Charakteren und versuchen natürlich herauszufinden, was eigentlich vor sich geht.
Dabei bleibt Mindlock seinem klassischen Adventure-Spielprinzip treu:
- Anschauen
- Mitnehmen
- Kombinieren
- Ausprobieren
Feststellen, dass meine vollkommen logische Lösung vom Spiel offenbar nicht als vollkommen logisch angesehen wird, was mich hier und da auch mal an den Rand der Verzweiflung gebracht hat.
Gleichzeitig verändert sich aber auch die Bedeutung vieler Dinge im Laufe des Spiels. Denn die verschlossene Wohnung ist nicht einfach nur ein ungewöhnlicher Schauplatz für ein paar Rätsel. Nach und nach beginnt Mindlock, tiefer zu graben. Und genau an diesem Punkt verstand ich, dass es hier um Emotionen, erlebte Dinge und negative äußere Einflüsse im Leben geht.

Merkmale – Skurril, persönlich und herrlich eigenartig
Bereits in der Demo gab es einen Punkt, der mich sofort gepackt hat:
Mindlock ist wunderbar skurril.
Charaktere, Situationen, Dialoge und Animationen besitzen einen ganz eigenen Humor. Man weiß teilweise überhaupt nicht, was einen als Nächstes erwartet. Und ich liebe Spiele, die mich überraschen können.
Mindlock wirkt nicht wie ein Point & Click, das einfach eine Liste mit bekannten Genre-Zutaten abgearbeitet hat. Es besitzt eine eigene Handschrift:
- teilweise ist es lustig
- teilweise ist es traurig
- teilweise vollkommen absurd
- teilweise sitzt man einfach da und denkt:
Was zum Teufel passiert hier eigentlich gerade? Und warum spreche ich mit einer Eule?
Und genau wenn man glaubt, das Spiel ungefähr verstanden zu haben, kommt wieder irgendeine Szene um die Ecke, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe. Diese Unberechenbarkeit hat für mich einen großen Teil des Charmes ausgemacht.
Hinter dem Humor steckt etwas sehr Persönliches
Je länger ich gespielt habe, desto stärker hatte ich allerdings das Gefühl, dass Mindlock nicht einfach nur skurril sein möchte.
Hinter vielen Situationen steckt meiner Meinung nach etwas tieferes:
- Ängste
- Unsicherheiten
- das Gefühl, festzustecken
- Erwartungen an das eigene Leben (von einem selbst und von anderen)
Und die Frage, wie man eigentlich mit Dingen umgeht, die man vielleicht sehr lange verdrängt hat.
Dabei hatte ich ziemlich schnell den Eindruck, dass in diesem Spiel auch persönliche Erfahrungen verarbeitet wurden. Und tatsächlich habe ich bei meiner nachträglichen Recherche erfahren, dass der Entwickler Roof Cut Media offen darüber gesprochen hat, dass Mindlock von persönlichen Erfahrungen inspiriert wurde.
Und genau das hat aus dem vermeintlich verrückten Point & Click auf einmal etwas ziemlich menschliches gemacht.

Eine ungewöhnliche Grafik, die perfekt zum Spiel passt
Auch optisch besitzt Mindlock einen sehr eigenen Stil. Die handgezeichnete 2D-Grafik passt hervorragend zu dieser merkwürdigen Welt und ihren teilweise noch merkwürdigeren Bewohnern. Und ich glaube tatsächlich, dass ein realistischer Grafikstil hier überhaupt nicht funktioniert hätte.
Denn dadurch kann das Spiel ständig zwischen Realität und vollkommenem Wahnsinn wechseln, ohne dass es sich falsch anfühlt. Und genau so kann sich manchmal auch das Leben anfühlen.
Ein deutsches Indiegame mit eigener Handschrift
Was ich an Mindlock außerdem besonders schön finde: Hier steckt kein riesiges Studio dahinter.
Mindlock: The Apartment ist ein deutsches Indiegame.
Und gerade deshalb finde ich bemerkenswert, wie eigenständig das Spiel wirkt. Es versucht nicht, möglichst groß zu sein. Es braucht keine gigantische Spielwelt und keine 100 Stunden+ Spielzeit.
Stattdessen konzentriert es sich auf seine Geschichte, seine Figuren, seine Rätsel und vor allem auf die Moral oder die Erkenntnis eines Lebens, die erzählt werden will.
Und genau solche Spiele sind für mich eigentlich das perfekte Beispiel dafür, warum ich so gerne nach Indiegamesperlen suche. Denn ein Spiel muss nicht riesig sein, um etwas Besonderes zu hinterlassen.
Fazit
Bereits nach der Demo wusste ich, dass ich Mindlock: The Apartment weiterspielen möchte.
Nach meinem vollständigen Let’s Play weiß ich auch warum.
Dieses Spiel hat etwas Eigenes. Etwas, das ich gar nicht ausschließlich an der Grafik, den Rätseln oder der Geschichte festmachen kann. Es ist diese Mischung aus schrägem Humor, teilweise vollkommen absurden Situationen, handgezeichnete Optik und die ungewöhnlichen Charaktere. Und darunter diese überraschend persönliche Ebene, die sich erst nach und nach zeigt.
Mindlock schafft es, mich in einem Moment zum Lachen zu bringen und mich wenig später über etwas nachdenken zu lassen, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Und genau das ist für mich eine der großen Stärken des Spiels.
Wer ausschließlich ein klassisches Point-&-Click-Adventure erwartet, bekommt zwar die üblichen Rätsel, teils seltsame Gegenstände und jede Menge Dinge zum Anklicken, aber Mindlock möchte noch ein bisschen mehr sein: Es erzählt auf seine ganz eigene, ziemlich verrückte Art von sehr menschlichen Dingen.
Und vielleicht passt deshalb ausgerechnet diese mysteriöse Tür mitten in Colins Wohnung so gut zum gesamten Spiel.
Manchmal steht eben etwas im Weg.
Manchmal wissen wir nicht, wie wir daran vorbeikommen.
Und manchmal müssen wir erst herausfinden, warum es überhaupt da ist.
Für mich ist Mindlock: The Apartment deshalb tatsächlich eine absolute Indiegamesperle – und eine überraschend persönliche. ❤️
Wenn du dir nun nicht ganz sicher bist oder erstmal einige Bilder bzw ein Let’s Play sehen möchtest, dann schau doch gerne hier rein:
Wenn du jedoch Lust bekommen habt, das Spiel selbst zu spielen, dann kannst du es über Steam holen.
Spieledetails im Überblick:
Spielname: Mindlock: The Apartment
Entwickler: Roof Cut Media
Publisher: USM
Veröffentlichung: 26. November 2024
Genre: Point and Click, Indiegame
Entwickelt für: PC
Erhältlich auf: https://store.steampowered.com/app/2669150/Mindlock__The_Apartment



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